BERICHT

Der ASV Nendingen unterliegt auch im Halbfinalrückkampf mit 11:6


Nichts ist es mit einer Ringer-Überraschung geworden. Der deutsche Meister ASV Nendingen musste am Freitagabend seine Titelverteidigung endgültig ad acta legen. Nach dem 8:14 im Hinkampf verloren die Nendinger auch den Rückkampf im Halbfinale beim SV Germania Weingarten mit 6:11.

In der mit knapp 1500 Zuschauern, darunter Ex-Fußballnationalspieler Mario Basler, prall gefüllten Walzbachhalle zogen die Nordbadener verdient, dies drückt auch die Bilanz von 25:14 Punkten aus der Addition beider Kämpfe in Zahlen deutlich aus, ins Finale ein.

Zu Beginn überraschte der ASV mit der taktischen Aufstellungsvariante in Form von Kevin Mägerle, der sich ins 57er-Limit gekämpft hatte. Zunächst machte er seine Sache gegen den starken Thomas Rönningen im Standkampf gut. Aber mit der ersten Bodenlage punktete der norwegische Heimringer hoch und beendete das Duell noch vor der Pause mit einem sehenswerten Überwurf.

Im Schwergewicht entwickelte sich ein Abtast-Kampf zwischen Magomedgdzai Nurov und Nikolai Ceban. Beide Ringer belauerten sich, keiner wagte zu früh etwas. Schließlich ging der erste Passivitätspunkt an Ceban, der noch vor der Pause mit einem Beinangriff nachlegte. Nach sechs Minuten lag der Nendinger 2:1 vorne und feierte den ersten Sieg gegen seinen Angstgegner.

Den erwarteten Sieg auf Nendinger Seite holte sich Yowlys Bonne Rodriguez, der sich gegen den stets gefährlichen Vladimir Egorov durchsetzen konnte. Bis kurz vor Schluss führte der Bonne "nur" mit 5:0-Punkten, das wäre nur eine Zwei in der Wertung geworden. Doch mit der letzten Sekunde packte er eine fulminante Beinschleuder aus, die ihm eine hohe Vierer-Wertung und somit den 9:0-Punktsieg einbrachte.

Raiser verkauft sich teuer

Eine Kopie des Hinkampfes entwickelte sich auch im Halbschwergewicht (98 kg). Peter Öhler war gegen Oliver Hassler meist in der Vorwärtsbewegung, kam jedoch nur zu einem Sieg mit 2:0-Punkten. Im letzten Kampf vor der Pause schnupperte Benjamin Raiser (66 kg, G) kurzzeitig an einer Sensation. Gegen den Weingartener Publikumsliebling Ionut Panait führte er bis kurz vor der Pause 2:0, er staubte dem Routinier gekonnt eine Zwei am Mattenrand durch Hinterlaufen ab. In der zweiten Kampfhälfte drängte Panait Raiser immer mehr in die Defensive, doch mehr als drei Passivitätspunkte konnte er nicht erkämpfen. Das 3:2 war völlig im Rahmen und die Vorgabe von Cheftrainer Volker Hirt wurde optimal umgesetzt.

Erste Niederlage für Ianulov

Noch keimte beim Pausenstand von 5:5 leichte Hoffnung im ASV-Lager. Diese wurde jedoch schnell zerstört, als der bisher ungeschlagene Piotr Ianuluv (86 kg, F) seine erste Saison-Niederlage hinnehmen musste. Gegen William Harth führte er knapp mit 1:0, doch exakt nach 5.06 Minuten gelang Harth der Ausgleich und genau in diesem Moment kippte das gesamte Halbfinale zugunsten der Germanen. Nun war die ASV-Niederlage besiegelt und es kam richtig Stimmung in die Walzbachhalle. Die heimischen Fans feierten Harth, der sympathische Ianuluv schlich mit gesenktem Haupt von der Matte und Nendingens Co-Trainer Ayhan Aytemiz wurde mit gelb-rot vom leicht überforderten Mattenleiter Bernd Vollmer (VfK Mühlenbach) der Halle verwiesen.

Klar verteilt waren die Rollen zwischen Alejandro Valdes und Andrej Perpelita. Valdes holte sich durch feine Beinangriffe eine Zweier-Wertung nach der anderen, führte nach zwei Minutenbereits 10:0. Am Ende lag der Kubaner 15:2 vorne.

Rotter macht Finaleinzug perfekt

Nun lief bei Nendingen nichts mehr zusammen. Trotz optisch leichten Vorteilen von Florian Neumaier (86 kg, G) im Standkampf gelangen ihm gegen Jan Rotter keine Wertungen. Vielmehr musste er kurz vor der Pause eine Zwei am Mattenrand abgeben und genau dieser Wertung lief er in Runde zwei vergebens hinterher. Zwar gelangen Neumaier noch zwei Einser-Wertungen, doch auf Grund der höheren Einzelwertung ging der Punktsieg an den Ex-Triberger Rotter. Damit hieß es 10:5 und der Finaleinzug von Weingarten war vorzeitig perfekt.

Der wieder genesene Vize-Weltmeister Daniel Cataraga (75 kg, G) verlangte dem Ex-Nendinger Frank Stäbler, Weltmeister von 2015, alles ab und kannte während der gesamten Kampfzeit nur die Vorwärtsbewegung. Stäbler ging aber zunächst durch eine Wurfaktion mit 2:0 in Führung, die nochmals die Emotionen hochkochen ließen. Das Kampfgericht verwehrte Stäbler die klare Vier, zog stattdessen die Zwei und brachte somit unnötig Hektik in den Kampf. Ab Minute zwei arbeitete Cataraga permanent vorwärts, drei Bodenlagen von Stäbler waren die Folge. Kapital konnte der ASV-Ringer jedoch nicht schlagen. Am Ende endete der Kampf 2:2 und der Sieg ging auf Grund der höheren Einzelwertung an Stäbler.

Im bedeutungslosen letzten Kampf boten Samet Dülger (75 kg, F) und Georg Harth nochmals eine abwechslungsreiche Vorstellung. Dülger bewies hierbei die etwas bessere Physis und verließ die Matte als 5:4-Punktsieger.


Quelle: www.schwaebische.de (01.01.2017)
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